Das Immunsystem wird wie unser gesamter Organismus und alles andere Leben auf unserer Erde von zwei wesentlichen Faktoren beeinflusst: Gene und Umwelt, im Englischen oft als Nature und Nurture bezeichnet. Bei den Genen können wir zwischen angeborenen und erworbenen genetischen Veränderungen unterscheiden. Angeborene Immundefekte sind sehr schwere und in vielen Fälle tödliche Erkrankungen, da der Organismus den Mikroorganismen schutzlos ausgeliefert ist. Zum Glück sind diese Erkrankungen sehr selten. Sie können – wenn rechtzeitig erkannt – durch eine Transplantation von Blutstammzellen aus dem Knochenmark geheilt werden.

Einfluss der Umwelt auf das Immunsystem

Der Einfluss der Umwelt auf das Immunsystem kann vielfältig sein. Die vom Immunsystem wahrgenommene Umwelt ist die Welt der Mikroorganismen. Der ab der Geburt stattfindende Kontakt des Immunsystems mit Viren, Bakterien oder Pilzen aus unserer Umgebung führt zu einem Lerneffekt. Jede Infektionserkrankung schult das Immunsystem in der Erkennung und Abwehr des verantwortlichen Keims. Die Kinderkrankheiten sind dafür die klassischen Beispiele. Oft genügt eine einmalige Begegnung mit einem Krankheitserreger, um dem Immunsystem für den Rest des Lebens den Schutz des Organismus zu ermöglichen. Das Immunsystem produziert sogenannte Gedächtniszellen, die im Fall einer neuerlichen Infektion mit dem gleichen Erreger innerhalb kürzester Zeit reagieren und diesen zerstören oder zurückdrängen. Oft ist dieser Vorgang so effizient und schnell, dass wir ihn gar nicht als Infektionskrankheit wahrnehmen.

Die Verzweigungen des Immunsystems reichen bis in die entferntesten Winkel unseres Körpers. Darin ähnelt es dem Nervensystem oder dem Herz-Kreislauf-System. Mit diesen beiden Organsystemen, aber auch mit vielen anderen steht das Immunsystem in ständigem regem Austausch. Die Freisetzung von Neurotransmittern, aber auch die im Kreislauf zirkulierenden Hormone beeinflussen die Funktion des Immunsystems. Ein typisches Beispiel ist das Stresshormon Kortison. Das Kortison unterdrückt die Funktion des Immunsystems, weshalb es z. B. bei Organtransplantationen eingesetzt wird, um die Abstoßung des transplantierten Spenderorgans zu verhindern. Wird in Stresssituationen, insbesondere bei chronischem Stress, Kortison freigesetzt, führt das ebenfalls zu einer Beeinträchtigung der Immunfunktion. Über die Freisetzung von Kortison kommt es bei Personen mit chronischem Stress zu Infektionsanfälligkeit und anderen Symptomen von Unter- oder Fehlfunktionen des Immunsystems.

Ernährung als relevanter Faktor für die Funktion des Immunsystems

Die Nahrung unserer Umwelt und somit die Ernährung leistet einen relevanten Beitrag zur Funktion des Immunsystems. Nicht zufällig ist der Darm das größte Immunorgan. Das beginnt bei den Halsmandeln, die aus Immunzellen bestehen, und setzt sich im gesamten Verlauf des Darms mit einer dichten Infiltration des Darmgewebes mit Immunzellen fort. Zudem finden sich im Gewebe, das den Darm umgibt, eine große Zahl von Lymphknoten, die ebenfalls nichts anderes als Anhäufungen von Immunzellen sind.

Neben den energieliefernden Bestandteilen der Nahrung, Fette, Eiweiß und Kohlehydrate, müssen wir eine Reihe von Substanzen in geringen Mengen aufnehmen, die der Körper nicht selbst herstellen kann: das sind die Vitamine und Spurenelemente. Bei unausgewogener Ernährung kann es zu Mangelerscheinungen kommen, die sich auf die Funktion des Immunsystems negativ auswirken. Durch eine ausgewogene und gesunde Ernährung können diese Substanzen aber problemlos zur Verfügung gestellt werden. Bei älteren, geschwächten oder kranken Menschen, aber auch etwa in der Schwangerschaft und während des Stillens ist zu erwägen, solche Mikronährstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen.

Zusammenfassend sei gesagt, dass das Immunsystem mit allen Bereichen unserer Umwelt in intensivem Austausch steht. Es gibt praktisch nichts in unserer Umwelt, wovon das Immunsystem nicht beeinflusst werden kann: von Sonne, Wind und Wetter über die Ernährung bis zu Umweltgiften, aber auch unsere sozialen Interaktionen mit Familie, Freunden, Gemeinde, im Beruf etc. beeinflussen das Immunsystem. Das Immunsystem ist Teil eines lebenden Organismus und hat wie alle anderen Erscheinungen der Natur höchst komplexe Interaktionen mit allem Leben, aber auch mit vielen toten Dingen auf dieser Welt.

Immundefekte

Als erworbene Immundefekte kann man zunächst den Alterungsprozess betrachten. So wie alle anderen Organe altert auch das Immunsystem. Je länger ein Mensch lebt, desto öfter müssen sich im Rahmen der kontinuierlichen Regeneration des Körpers dessen Zellen teilen. Bei jeder Zellteilung wird zunächst das Genom verdoppelt – ein Vorgang, der enorm exakt abläuft, aber nicht perfekt ist. Immer wieder schleichen sich daher Kopierfehler – Mutationen – ein, die zu Störungen der Funktion der betroffenen Zelle führen. Das ist nichts anderes als das Altern, dem wir uns nicht entziehen können.

Ältere Menschen sind aufgrund von Mangel- und Fehlfunktionen ihres gealterten Immunsystems anfällig für Infektionserkrankungen. Es kommt aber auch zu Fehl- und Überreaktionen des Immunsystems, die sich etwa als Autoimmunerkrankungen auswirken können, die im höheren Alter häufiger werden. Dazu gehören etwa rheumatische Gelenksentzündungen oder der Typ-II-Diabetes.