Insbesondere in den Städten haben Kinder in den ersten Lebensjahren wesentlich weniger immunologischen Kontakt mit ihrer Umwelt, als das in ländlichen Regionen der Fall ist. Das führt dazu, dass es für das Immunsystem schwieriger wird, gefährlich von harmlos zu unterscheiden; eine Unterscheidung, die speziell während der frühen Entwicklung des Immunsystems eines Kindes stattfindet. Das führt beispielsweise dazu, dass an sich harmlose Dinge wie Blüten- oder Gräserpollen, Haare von Tieren oder die Schuppen von Hausstaubmilben zu unverhältnismäßig heftigen und fehlgeleiteten Abwehrreaktionen führen – wir sprechen dann von Allergien.

Die Hygienehypothese

Diese Hypothese basiert auf der Annahme, dass durch die zunehmenden hygienischen Maßnahmen der Kontakt mit vielen Substanzen verspätet stattfindet. Die verbesserten hygienischen Verhältnisse, von der täglichen Dusche bis zum Zähneputzen, geben dem Immunsystem weniger Gelegenheit, mit Umweltsubstanzen in Kontakt zu kommen. Dazu kommt, dass in den Städten viele Substanzen einfach nicht oder nicht ausreichend vorkommen, um vom Immunsystem effizient wahrgenommen zu werden. So werden zum Beispiel Kinder am Land schon in ihren ersten Lebensjahren mit Gräserpollen konfrontiert, wenn sie sich beim Spielen im Gras rollen, während Stadtkinder erst in einem späteren Alter mit frischem Gras in Kontakt kommen. Um eine physiologische Immunreaktion auszulösen, muss das Immunsystem frühzeitigen Kontakt mit Allergenen haben. Die Entwicklung einer normalen Immunreaktion bewahrt einen Organismus davor, eine pathologische Immunreaktion zu entwickeln, deren Symptome sich dann als Allergie bemerkbar machen.

Wie alles in der Medizin, oder vielleicht im Leben überhaupt, haben also auch Hygiene und Immunsystem Wechselwirkungen, die zwei Seiten aufweisen: Hygiene ist unerlässlich, um die epidemische Ausbreitung von Infektionserkrankungen zu begrenzen. Zu viel Hygiene kann aber der Hygienehypothese zufolge zu Allergien führen. In keinem Fall soll das jedoch als Argument gegen hygienische Maßnahmen verwendet werden. Im Alltag wird man beispielsweise täglich mit tausenden krankheitserregenden Bakterien und Viren konfrontiert. Man findet sie auf Haltestangen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, Türklinken, Geldscheinen, und auch beim Händeschütteln werden sie übertragen. Um sich hier vor möglichen Krankheiten zu schützen, ist regelmäßiges Händewaschen sehr wichtig. Die Hände dabei nur kurz unter Wasser zu halten, hilft dabei allerdings nichts.

Händewaschen – so geht’s:

  1. Machen Sie Ihre Hände zunächst nass.
  2. Verwenden Sie ausreichend Seife (am besten pH-neutral) und verteilen Sie diese sowohl am Handrücken als auch auf der Handinnenfläche.
  3. Vergessen Sie dabei nicht die Fingerzwischenräume!
  4. Auch die Fingerspitzen und die Fingernägel müssen mit Seife gereinigt werden.
  5. Spülen Sie Hände anschließend ab, und trocken Sie die Hände gut ab, bis sie nicht mehr feucht sind.

Die Wassertemperatur spielt beim Händewaschen keine Rolle und kann individuell gewählt werden.